II.) Rehabilitative Pflege

Unter Rehabilitation versteht man das Wiedererlangen von Fähigkeiten, die einem Menschen, der durch Unfall oder Erkrankung in seinen Aktivitäten eingeschränkt ist, ein weitgehend selbstbestimmtes und selbstständiges Leben mit einer hohen Lebensqualität und der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglichen.

Ziel unseres pflegerischen Handelns ist Rehabilitation, erreichbar durch Aktivierende Pflege sowie verschiedene Pflegekonzepte. In der Regel geht es nicht um bestimmte Pflegehandlungen, es handelt sich um ganzheitliche Konzepte, die die Interaktion zwischen Pflegeperson und Erkranktem bestimmen.

Rehabilitation ist nicht nur, wenn ein von einem Schlaganfall betroffener Patient das Laufen wieder lernt. Rehabilitation ist auch schon, wenn ein Wachkomapatient beispielsweise die Stirn in Falten legt. Rehabilitation ist nicht immer sichtbar, verbessert jedoch in jedem Fall die Lebensqualität des Betroffenen.

 

I. Kinästhetik

 

 

Gesundheitsentwicklung ist ein vielschichtiger Prozess. In diesem Prozess spielt die menschliche Bewegung und die Erfahrung der eigenen Wirksamkeit durch Bewegung die grundlegende Rolle. Pflegende sind hauptsächlich damit beschäftigt, Menschen in ihren Aktivitäten des täglichen Lebens zu unterstützen. Gemeint sind Essen, Trinken, Ausscheiden und vor allem auch die Fortbewegungsaktivitäten. Die pflegerische Handlung beinhaltet immer Bewegungsunterstützung. Die Qualität der Bewegungsunterstützung ist maßgebend.


Die Grundlagen des Handlungskonzeptes der Kinästhetik in der Pflege beruhen darauf, Verhaltens- und Bewegungsmuster zu lernen, welche die Gesundheit unterstützen.

Kinästhetik in der Pflege ermöglicht gezielte und professionelle Hilfe zur Selbsthilfe.

In gemeinsamen Bewegungen mit dem Patienten und dem genauen Erspüren seiner Reaktion lernt die Pflegeperson die individuellen Bewegungsmuster des Patienten zu verstehen. Sie ist in der Lage, den Patienten bei täglichen Aktivitäten wie Aufsitzen, Aufstehen oder beim Bewegen im Bett auf eine Weise zu unterstützen, die es ermöglicht, seine Bewegungskompetenzen so weit wie möglich auszuschöpfen, zu erhalten und zu erweitern.

Aufgrund von eigener Aktivität und einem bewussten Mitwirken werden Patienten schneller mobil und haben optimale Bedingungen, ihre Lebensqualität dadurch direkt zu beeinflussen.

II. Bobath- Konzept

Das Bobath- Konzept ist heute unbestritten das erfolgreichste und anerkannteste Pflege- und Therapiekonzept zur Rehabilitation von Patienten mit Schlaganfällen und anderen Erkrankungen des Zentralen Nervensystems.

Es eignet sich besonders zur Rehabilitation von Patienten mit erworbenen Hirnschäden, wie Schlaganfall (Apoplex), Hirnblutung, Schädel-Hirn-Traumen, hypoxische Hirnschädigung, Hirntumore und anderen Krankheiten des Zentralen Nervensystems.
Alle diese Erkrankungen gehen mit zentralen Lähmungen (Paresen, Plegien), Störungen des Muskeltonus (Spastik) und Störungen der Körperwahrnehmung einher.
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Das Bobath- Konzept basiert auf der lebenslangen Fähigkeit des Nervensystems, sich Reizen durch Strukturänderung anzupassen (Plastizität des Nervensystems), also zu lernen.

Durch spezielle Arten der Lagerung, der Bewegung des Patienten innerhalb und außerhalb des Bettes (Handling) und der Anleitung bei allen Lebensaktivitäten wie z.B. Körperpflege, Essen und Trinken, An- und Auskleiden, wird diese Lernfähigkeit im Alltag des Betroffenen ausgenutzt.

Dem Nervensystem werden wiederholt korrekte Lernangebote als Stimulation entgegengebracht. Der Alltag des Betroffenen wird so zur Therapie.

Arbeitsprinzipien des Bobath- Konzeptes sind die Erarbeitung eines angepassten Muskeltonus, die Anbahnung physiologischer Bewegungsabläufe und die Verbesserung der Körperwahrnehmung.

III. Basale Stimulation©

Basale Stimulation in der Pflege ist eine pflegerische Möglichkeit zur Förderung und Aktivierung schwer beeinträchtigter Menschen mit Bewegungs-, Kommunikations- und Wahrnehmungsveränderungen. Mit einfachen Angeboten zur Anregung unterschiedlicher Sinne wird der Betroffenen ermutigt, seinen Körper und seine Umwelt neu zu entdecken und zu erspüren.

Entwickelt wurde das Konzept der Basalen Stimulation in den 70er Jahren von Prof. Andreas Fröhlich (Heilpädagoge) zur Förderung von schwerstbehinderten Kindern. In den 80er Jahren ist es von Christel Bienstein in die Pflege integriert worden.

Es hat sich gezeigt, dass selbst stark beeinträchtigte Menschen - Bewusstlose, Desorientierte, Sterbende - auf grundlegende, einfache, natürliche, eben basale Kommunikationsformen reagieren. Diese basalen Reize hat jeder Mensch im Laufe der normalen Entwicklung seiner Wahrnehmung bereits einmal kennengelernt. Nun werden ihm diese Informationen bewusst angeboten, um seine Wahrnehmung anzuregen. Erinnerungen und frühere Gewohnheiten werden genutzt. Diese Reize können über Berührung, Bewegung, Hören, Sehen, Riechen angeboten werden. Wichtige Angebote sind dabei äußere Reize, die Wahrnehmung der eigenen Körpergrenzen, sowie das Wahrnehmen von Berührungsreizen.

Basal stimulierende Pflege ist individuell auf den Patienten abgestimmt. Nicht Maßnahmen werden am Patienten durchgeführt, sondern trotz seiner eingeschränkten Möglichkeiten wird ihm ein Angebot gemacht, das er annehmen oder ablehnen kann, die Pflege wird mit ihm entwickelt.


 [YUN1]doppelt